30. Tag (on trail + Cuba) Fr 15.05.2015

Müde, müde, müde!
Heute Nacht habe ich nicht gut geschlafen. Einmal musste ich raus, weil die Blase nicht mehr Volumen aufnehmen wollte. Zuhause ist das ja kein Problem.  Kurz aufstehen, das wohltemperierte Örtchen aufsuchen und ab zurück ins warme, saubere Bett. Nun ja, hier draußen läuft das alles etwas anders ab und man überlegt sich zweimal, ob sich die Blase nicht doch geirrt haben könnte: Aus dem Schlafsack und Schlafsackliner schälen, die sauberen Schlafsocken ausziehen, Klopapier/Tuch mitnehmen, Innenzelt öffnen, Schuhe ausklopfen (Skorpione o. ähnliches!) und anziehen (egal ob nass oder trocken) Außenzelt öffnen und mit Taschenlampe die Umgebung absuchen (Tiere da?!), raus (egal ob kalt oder nass),  evtl. Zelt verschließen (bei starkem Wind, Regen, Insekten), Platz suchen, Loch graben (mit Schuhen, Holzstück, Stein,…), auf Windverhältnisse achten 😉 , Hosen runter,  Blasendruck ablassen, abwischen, Hosen hoch, Loch zu schütten, zurück zum Zelt, aufmachen, vorsichtig ohne Dreck mitzunehmen hinein, Außenzelt schließen, Schuhe ausziehen, Füße säubern, Schlafsocken anziehen, Innenzelt schließen, zurück in Schlafsackliner und Schlafsack. Einschlafen und möglichst durchschlafen! Wenn man nicht, wie diese Nacht, durch ein Gewitter vorzeitig geweckt wird.

Egal, denke ich mir, ich hab‘ ja nur noch ein paar Meilen bis nach Cuba. Fröhlich, mit der Aussicht auf Essen und ein  weiches Bett, ziehe ich los. Doch bald schon wird die Freude getrübt.
Je näher ich an die Stadt heran komme um so dreckiger und verwahrloster wird die Umgebung. Gut, generell ist das nichts Neues und unterscheidet sich auch nicht zu anderen Ländern, aber so was hab‘ ich noch nicht gesehen.  Müll, Sperrmüll, Sondermüll,  einfach in die Gegend gekippt. Alte Kühlschränke, Autos, auslaufende Fässer. Das scheint hier keinen zu stören oder zu interessieren.  Vorbei an Baracken, Hüttchen,  notdürftigen Unterkünften, alten Wohnwägen, Wellblech-Holzkreationen. Dazwischen verlassene, vor sich hingammelnde Ruinen.

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Und ja! Hier wohnen Menschen!

Auf der Straße, direkt vor einer dieser selbstgezimmerten Wohnbarracken, ein überfahrener, aufgegaster,  grün-schwarz verfärbter Hund. Ein bestialischer Geruch eilt im voraus. Die Anwohner ( vermutlich gleichzeitig die Besitzer, denn Hunde gleichen Typs rennen kläffend im ‚Garten‘ herum) scheinen weder ihren Hund zu vermissen noch sich am Gestank vor ihren Fenstern zu stören.

Ich fühle mich auf diesem Roadwalk sehr unwohl, widerstehe dem Drang Fotos zu machen und versuche jeglichen Blickkontakt mit den Anwohnern zu vermeiden. Ein paar  Besoffene (9.00 Uhr morgens!) gröhlen mir aus einer Zufahrt hinterher. Junge, Junge!
Auf der anderen Straßenseite steigen, als ich vorbei eile, gleich fünf Geier in die Lüfte. Wer weiß, was oder wer hier zum Verrotten zwischen Müllbergen und ‚Wohnungen‘ liegen gelassen wurde.
USA, Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Skala scheint leider auch nach unten hin ‚unbegrenzt‘.
Armes Amerika!

Komischer Weise finden sich zwischen all dem Müll und Gammel immer wieder einzelne recht hübsche Häuschen. Aber was bringt einem das bei einer solchen Nachbarschaft?

Nun ja, das waren die ‚Siedlungen‘ vor der Stadt. Das wird sich sicher noch bessern?!

Oder doch nicht? Seht selbst:

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Egal, ich hab‘ ein Bett, und Essen. Eine Erkundung der Stadt, über das Aufsuchen des Supermarktes und diverser Restaurants hinaus, entfällt, und ist sicher auch kein großer kultureller Verlust.

Genny und Seth sind hier, ziehen aber heute weiter. Desweiteren sehe ich Banjo und Mij. Race trifft kurz nach mir ein und nachmittags wird Boston Bones von zwei Einheimischen vorgefahren. Er ist vom Weg abgekommen und sie haben ihn unterwegs aufgelesen.

Abends gemeinsames Essen mit Mij, Race und Banjo.

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