Kategorie: g) Jun-2015

52. Tag (on trail) Sa 06.06.2015

Ralf, einTrailangel aus dem Ort, bringt mich und einen anderen Hiker (Lighthouse) von Chama hoch zum Cumbres Pass.

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Da mir noch ein Stückchen Weg zwischen der Ghost Ranch und Chama fehlt und ich dem Schnee in Colorado noch ein wenig mehr Zeit zum schmelzen lassen will, laufe ich nach Süden zurück. Recht schnell verliere ich Lighthouse aus den Augen und laufe endlich mal wieder alleine. Für die bevorstehende Etappen im schneebedeckten Colorado werde ich mir allerdings wieder aus Sicherheitgründen einen Weggefährten suchen müssen.

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Im krassen Gegensatz zu Wyoming blüht und grünt es hier mittlerweile überall.

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Wasser schiesst die Bäche hinunter. Und es gibt reichlich Bäume, die ihre frischen, hellgrünen Blätter in den Wind strecken.

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Nur einzelne kleine Schneefelder sind übrig geblieben.

Regengüsse und Gewitter begleiten mich den ganzen Tag. Die feuchte Hose und die nasse Regenkutte lege ich abends in den Zeltvorraum und packe mich dann trocken und warm ein. Kojoten im nahe gelegenen Tal singen mich in den Schlaf.

Eure Maria

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Maximaltemperatur 33 Grad Celsius

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50./51.Tag (Chama) Do 04.06.2015 /Fr 05.06.2015

Wie immer bei Aufenthalten in einem Ort läuft das gewohnte Programm ab:
Wäsche waschen und trocknen, Ausrüstung trocknen,  Duschen und weitere Körperpflege, Kontrolle und wenn nötig Reparatur der Ausrüstung, Akkus/Batterien laden, nächste Etappe planen, Vorräte kaufen, Kontrolle der Landkarten und des GPS, Gebrauchsartikel (Batterien, Klopapier, Plastiktüte, Tampons, Pflaster und Medikamente, Kontaktlinsen, Mineralstoff- und Vitamintabletten, Sonnencreme, Zahnpasta, Insektenschutzmittel, Handdesinfektion, Seife,…) nachfüllen/aufstocken,  Informationen zum Wetter und über den Zustand des Trails einholen, mit anderen Hikern abhängen, essen, ausruhen, sich ein wenig im Ort umsehen.

Die herrschenden Trailbedingungen bringen ganz schön Unruhe unter die Hiker.  Erst lag zu viel Schnee mit Lawinengefahr. Jetzt schmilzt der Schnee zwar langsam, dafür wird alles matschig und sumpfig,  die Flüße schwellen an, teilweise ist von  Schlammlawinen die Rede. Der Schnee ist nun zu weich um darauf zu laufen. Ohne Schneeschuhe sinkt man gnadenlos ein.
Jeder Hiker gibt seinen ‚Senf‘ zum Geschehen ab und dank des Internets  wird dieser auch breitflächig im Netz verstrichen, von emsigen Hikern aufgegriffen und per Mundpropaganda
wieder ausgespien. Resultat ist ein Haufen verunsicherter Hiker (mich eingeschlossen), die nicht wissen was sie tun sollen und welchen Meldungen sie überhaupt noch glauben schenken können.
Klar findet sich auch die ein oder andere nützliche Information, im großen und ganzen entsteht aber mehr Chaos als Nutzen.

So habe ich mich nun auch dazu hinreißen lassen mir Schneeschuhe und eine Eisaxt zu besorgen.
Mal sehen, ob ich sie tatsächlich brauchen werde.

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48./49.Tag (Trampen) Di 02.06.2015/Mi 03.06.2015

48. Tag, Di 02.06.2015
Von South Pass City laufen wir zwei Meilen zum Highway und strecken die Daumen in den Wind.
Drollig, dass uns ausgerechnet einer der wenigen Bewohner von South Pass City, den wir noch nicht kennengelernt haben, mit nach Lander nimmt.
Nach einem Frühstück stellen wir uns dort erneut, diesmal mit präparierten Karton,
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an die Straße und nur wenig später hält ein Wagen mit Antje und ihrer Tochter, die uns ein kleines Stück mitnehmen können bis zur Abzweigung des Highways nach Rawlins. Antje ist aus Deutschland lebt aber seit einigen Jahren in den USA. Was für ein schöner Zufall und herrlich wieder Worte in der eigenen Muttersprache zu hören. Antje ist so warmherzig und herzerfrischend, ich möchte mich am liebsten stundenlang mit ihr unterhalten. Doch die Begegnung ist kurz. Während wir noch unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum ziehen springt Antje auf die Straße, hält das nächste Auto an und sichert uns so die Weiterfahrt.
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Herzlichen Dank, Antje! Ich hoffe wir sehen uns wieder, mit mehr Zeit zum reden.
Es geht weiter Richtung Süden.
Cyntia, unsere Fahrerin hat noch nie in ihrem Leben Tramper mitgenommen! Und nun gleich zwei. Aber es kommt noch besser. Unterwegs fahren wir an Seth und Genny vorbei und auch die beiden werden in dem kleinen Wagen untergebracht.
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Ab Rawlins geht es dann weiter mit dem Auto von Race. Genny und Seth bleiben in Rawlins.
Zwischenstopp und Übernachtung in Salida.
Race stellt hier erneut seinen Wagen ab.

49. Tag, Mi 03.06.2015
Wir trampen zurück nach Chama.
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Wie schön! Boston Bones ist noch hier und meine Schuhe sind letztlich doch noch im Postamt angekommen.
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Der Schnee ist deutlich abgeschmolzen. Alles ist grün und blüht.
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Gemeinsames Abendessen mit Race und Boston Bones.

Jetzt heißt es überlegen wie es weitergeht….

Bis bald…
Eure Dr. Hikinstein

47. Tag (on trail + South Pass City ) Mo 01.06.2015

Der Sonnenaufgang verspricht Regen.

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Nach auftragen des noch verbliebenen Zeckenschutzmittels breche ich auf. Race ist schon vorher losgezogen und ich kann ihn als kleinen Punkt in der Ferne ausmachen.

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Die vielen Kilometer in den letzten Tagen (immer über 40 km) stecken mir in den Knochen und ich bin müde. Doch wenn es gut läuft können wir heute South Pass City erreichen, dem Great Divide Basin somit den Rücken kehren und uns auf die Rückfahrt nach Chama, nach New Mexico, machen.
Wir machen immer wieder kurze Zwischenstopps um uns auf Zecken zu untersuchen. Die Biester sind einfach überall!

Bald laufen wir auf geschichtsträchtigen Wegen, den alten Trails (Oregon Trail,  California Trail…) auf denen damals bereits die Siedler in ihren Waggons Richtung South Pass gezogen sind, früher der Hauptübergang über die Rocky Mountains.

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Fantastisch und bewegend. Man braucht nicht viel Phantasie um sich in der Ferne einen Trupp Siedler vorzustellen, wie sie in holpernden Wagen ihrer Zukunft und Hoffnung entgegen ziehen.

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Ein alter Bekannter. Auf dem PCT waren sie allerdings etwas größer.

Die ‚Windys‘ schon seit Tagen sichtbar

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befinden sich mal rechts mal links von uns. Wie ist das möglich?  Hier stimmt doch irgendetwas mit der Wegführung nicht!!! Da will uns doch jemand ver…!

Nachmittags erreichen wir einen Fluß, ich meine es war der Sweetwater River.

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Ab hier zieht es plötzlich zu, Wolken rundum, Donner aus allen Richtungen.
Eine Weile kommen wir noch mit trockener Haut davon doch dann legt ein ordentlicher Wind los, wirbelt Staubwolken auf und uns entgegen, so daß wir zeitweise rückwärts laufen um nicht den ganzen Staub schlucken zu müssen.

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Ich hab mich ordentlich vermummt kurz bevor dann auch der erste Regenschauer auf uns niederprasselt verbunden mit einem deutlich spürbaren Temperaturabfall.
Nach einer Weile ist das ganze Spektakel vorbei, die Sonne zeigt sich und die nassen Klamotten trocknen rasch. Es wird unangenehm schwül und warm. Raus aus der Regenkutte…  nur um sie wenig später wieder anzulegen.
Uns so geht es dann bis zum frühen Abend… Windböen, die ein beinahe von der Strasse fegen, Temperaturabfall, Regen und Gewitter, Sonnenschein…und alles wieder von vorne.

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Die Füße werden schwerer und nur aufgrund der Aussicht auf eine Cola im Souvenirshop von South Pass City kann ich  noch weitere Kräfte mobilisieren.

Und wir schaffen es tatsächlich, schleppen uns die letzte Strecke vorbei an den alten Goldminen,

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hinunter in ein Flußtal, das fest in Zeckenhand liegt (acht Zecken pro Kilometer!),

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nach South Pass City.
52 Kilometer! 

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South Pass City,  früher Minen- und Goldgräberstadt mit über 250 Gebäuden und über 1000 Einwohnern, besteht heute nur noch  aus einem Freilichtmuseum und ein paar wenigen Wohnhäusern in denen eine handvoll Bewohner leben.
Unter anderem Steven, der uns, der Souvenirshop war natürlich schon geschlossen,  doch noch zu einer Cola bzw. einem Bierchen verhilft während ‚Nosy‘,  seine neugierige Katze, um unsere Beine streicht. Auch schließt er uns die Toiletten auf und verschafft uns Zugang zu einem Warm-Wasserschlauch, so daß wir uns wenigstens grob reinigen können bevor uns ein weiteres Gewitter in unsere Zelte treibt.

Gute Nacht!
Eure zeckenfreie Dr. Hikinstein

Nachts 10 Grad Celsius
Maximaltemperatur 29 Grad Celsius

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