101. Tag (on trail) Sa 25.07.2015

Am Morgen spendiert die örtliche Bank in Walden ein kostenloses Pancake-Frühstück für jeden der vorbeikommt. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen! Die Sonne scheint, es ist bereits recht warm und wir setzen uns an einen der Tische, die mehr im Schatten stehen.

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Biker fahren vorbei und stellen ihre Maschinen vor dem ‚Saloon‘ ab, wo sie schön aufgereiht stehen, wie früher die Pferde der Cowboys.
Als wir zurücktrampen wollen hält kein einziges Auto. Die kilometerlange, geradeaus laufende Straße

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ist um diese Zeit auch nicht sehr belebt. Links und rechts davon wimmelt es allerdings von Präriehunden, die entweder wie Kerzen auf ihren Beobachtungsposten, ihren Erdhügelchen stehen, oder geschäftig hin und her rennen.

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Keinen Moment lang werden wir aus den Augen gelassen und die Warnrufe schallen über die Ebene.

Wir entscheiden uns spontan die Straße zu verlassen und  suchen uns einen spannenderen Weg querfeldein.
Die richtige Entscheidung, wie sich herausstellt.
Hier, in dieser Gegend, sieht es bereits aus wie in Wyoming.

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Sagebrush-Büsche, weite Wiesen, blauer Himmel mit flauschigen, weißen Wolken, Gabelböcke, …. wunderschön,  wenn auch sehr warm und ohne Schutz vor der Sonne.
Und was wir nicht gesehen hätten,  wären wir nicht vom Weg abgewichen, sind, man glaubt es kaum,  PELIKANE!
Hinter einem kleinen Hügel entdecken wir einen See voller Enten, Gänse UND Pelikane. Ich wusste gar nicht, dass es die hier in Colorado gibt.

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Weiter geht’s über Weideland,  zusammen mit einer Herde Rinder die uns ein gutes Stück begleitet.

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Die drei Bullen, die mit der Herde mitlaufen, haben zum Glück nur Augen (nun ja, eigentlich ist ein anderes Körperteil mehr beschäftigt 😉 ) für ein ‚heißes‘ Rind, dass vor lauter Verehrern nicht zum fressen kommt.

Nach der Querfeldeintour geht es kilometerlang den Highway 14 entlang.
Unser Wasser wird knapp. Die Pferdekopf-Pumpe

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fördert leider kein Wasser sondern Öl und das Wasser am Grizzly Creek sieht nicht besonders vertrauenserweckend aus. Keine Fische, die Wasserpflanzen alle braun, abgestorben, faulig. Nun ja, wir sind nahe einer Strasse und nahe der Zivilisation. Wer weiß, was die hier alles ins Wasser ableiten?!
Vorsichtshalber filtert Boston Bones eine kleine ‚Notreserve‘, falls wir nicht an eine bessere Quelle geraten, doch kurz darauf kann ich einem Autofahrer
einen Liter Limonade abschwatzen die wir sofort leertrinken.
Weiterhin halte ich eine leere, auf den Kopf gedrehte Wasserflasche, als Zeichen unserer Wasser-Situation, den vorbei fahrenden Autos entgegen und kurze Zeit später hält ein Wagen. Der Fahrer, ein Marathonläufer, hat zwar kein Wasser dabei, bietet uns aber eine Mitfahrgelegenheit nach Steamboat Springs an.
Dort angekommen suchen wir Ewigkeiten nach einer Camp-Möglichkeit. Die offiziellen Campingplätze sind bereits alle belegt, so daß wir letztlich am Rande eines Fußballfeldes unser Lager aufschlagen, mit zu Recht mulmigem Gefühl, wie sich mitten in der Nacht herausstellt.
Ein paar Jugendliche haben nichts besseres zu tun als sich in der Dunkelheit anzuschleichen und Feuerwerkskörper nach Boston Bones Zelt zu werfen. Zum Glück hat es kein Feuer gefangen, was bei den ganzen Kunstfasern verheerend wäre.  Ich hatte schon geschlafen und bin total verwirrt am Lärm aufgewacht. Wie? Was? Häh?
Erst die Explosion, dann die ärgerlichen, wutentbrannten Rufe von Boston Bones, der versucht sich die beiden Idioten zu greifen.
Boston legt sich, als er nach längerer, vergeblicher Suche zurück kommt, auf die Lauer, um sich die beiden zu greifen, falls sie zurückkommen sollten. Ich kann erst gar nicht mehr einschlafen und lausche auf jedes verdächtige Geräusch. Schließlich döse ich doch ein. Boston hält ja Wache!
Als ich später aufwache sehe ich ihn immernoch im nahe gelegenen Gebüsch verschanzt Wache halten.
Ich denke wirklich es ist besser, wenn sich die beiden nicht mehr blicken lassen, vorausgesetzt sie legen Wert auf heile Knochen! Boston Bones ist wirklich sehr, sehr wütend!!!

Maximaltemperatur 37 Grad Celsius
Maximalhöhe 2568 Meter

Veröffentlicht mit WordPress für Android

4 Kommentare

  1. Barbara

    Hallo Mariaelfe,
    ich lese schon von Anfang an deinen Blog und freue mich über deine schönen Fotos und Erlebnisberichte. Ganz klar, alleine hätte ich den Mut nicht gehabt, alleine loszuziehen. Du hast Glück gehabt, jemanden zu finden, mit dem du dich verstehst und der fast den selben Laufrythmus hat. So wie du den CDT beschreibst ist er doch ein ganzes Stück wilder und abgelegener als z.B. der AT. Was ich auch bewundere ist, wie gut ihr euch organisiert. Schickst du dir deine Päckchen mit Lebensmitteln, Kleidung überwiegend selbst an auf dem Weg liegende Poststationen oder bekommst du Hilfe von Freunden ?
    Weiterhin alles Gute auf Eurem Weg und Grüße aus dem Rothaargebirge im Siegerland, auch an BB
    Barbara

    • mariaelfe

      Hallo Barbara, es ist schon toll, wenn man das Wander- Erlebnis mit jemandem teilen kann. Sei aber unbesorgt was das ‚alleine wandern‘ angeht. Nur Mut, Du wirst sehen, dass überall nette und hilfsbereite Menschen sind!
      Die Lebensmittel besorge ich mir meist bei einem Town-Stopp für die jeweils nächste Etappe. Manchmal, wenn die Distanzen zu lang sind und der nächste ‚Supermarkt‘ zu weit entfernt, schicke ich mir ein Freßpaket voraus.
      Ansonsten habe ich zwei sog. Bounceboxen mit Klamotten, Ersatzteilen, Kontaktlinsen, Gebrauchsartikel, Landkarten, Batterien, usw. die ich mir vorausschicke.
      Das lässt sich hier alles ganz gut organisieren. 🙂
      Die Grüße werde ich ausrichten. Auch Dir liebe Grüße (momentan aus Wyoming) und viel Spaß im Rothaargebirge.
      Maria

  2. Ingrid

    Ein See in dieser Landschaft, dazu ein kleines Vogelparadies! Oh, hier hätte ich lange gebummelt und die Vögel beobachtet. 😀
    Es gibt doch überall auf der Welt Idioten, die anderen Menschen Schaden zufügen wollen. Zum Glück ist Boston Bones ausser einer schlaflosen Nacht nichts weiter passiert. Frage: Kann er das schwere Geweih an seine Heimatadresse senden? Lebt er in Boston? (Mir fehlen ein paar Anfangsberichte).

    Liebe Grüße von Ingrid

    • mariaelfe

      Ja stimmt schon. Die Jugendlichen wollten uns sicher nur erschrecken und haben nicht weit genug gedacht, was hätte passieren können.
      Ja, er ist aus Boston und schickt sich das Geweih nach Hause.

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