90. Tag (on trail + Frisco) Di 14.07.2015

Kondenswasser, Regenwasser, die feuchten Klamotten von gestern…
Da bleibt nicht viel, was trocken geblieben ist. Also das Wenige, was noch trocken ist, schön doppelt einpacken, in die noch feuchten Klamotten von gestern schlüpfen (sie trocknen dann am Körper) und weiter! Zum Glück regnet es (noch) nicht.
Vorbei an traumhaft schönen Camp-Möglichkeiten mit geschmackvollen Toiletten,
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großzügigen Mülleimern,
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Kleiderschränken mit Wechselwäsche
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und kompletten Zelten (ein Hoch auf das wunderschöne Colorado!), geht es aufwärts Richtung Webster Pass.
Nach den ersten Kilometern kommt sogar die Sonne raus und wir können gegen 11.00 Uhr alles ‚trocken legen‘. Ruck-Zuck sind drei Bäume zum Spannen einer Wäscheleine missbraucht und wir ‚geniessen‘ ein wenig Hikerkost während die Wäsche marginal die Luftfeuchtigkeit erhöht.
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Oben in den Bergen bilden sich die ersten Wolken.
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Beim weiteren Anstieg kommen wir an Holzhütten in unterschiedlichen Zerfallsstadien vorbei, schön dekoriert mit Müll, Klopapier und Exkrementen, wie die bereits beschriebenen Plätze zuvor.
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Oben in den Bergen ballen sich die Wolken zusammen.

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Oberhalb der Baumgrenze suche ich erfolglos mit den Augen die umgebenden Felswände nach Schneeziegen ab. Den Blick nicht auf den Weg geheftet stoße ich dabei mehrmals mit den großen Zehen gegen Steine und hervorstehendes Wurzelwerk. Mal wieder! Wie schon so oft! Den Nagel meines rechten Zehs werde ich übrigens doch noch einbüßen. Er hängt nur noch im Nagelbett fest. Und der Nagel des linken Zehs verfärbt sich ebenfalls lila. Sieht aber noch nicht so schlecht aus. Mal sehen, vielleicht kann ich wenigstens ihn behalten.
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Oben in den Bergen ist entferntes Donnergrollen zu hören.

Wir ziehen an einer letzten, zerfallenen Schutzhütte vorbei,
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dem Webster Pass entgegen. Es ist nicht mehr weit!

Oben in den Bergen verdunkelt sich der Himmel. Es donnert.
Hoffentlich kommen wir schnell über den Pass um wieder abzusteigen.
Blitze! Aber noch weit genug entfernt!
Weiter zum Pass?! Umkehren?!
Weiter!
Oben angekommen ein weiterer Blitz, und NUR(!!!) fünf Sekunden danach der Donner!
Umdrehen!!! Und zwar sofort, und hurtig runter! Boston Bones will natürlich weiter und ich bin heilfroh, dass er mit mir zusammen umkehrt.
Kaum laufen wir los, zurück Richtung ‚Schutzhütte‘, fängt es an zu hageln. Donner, immer wieder Donner, aber zum Glück kein Blitz in der Nähe.
In Hagel und Regen eilen wir den Hang hinab.
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Ich nehme den kürzesten Weg, querfeldein, nicht mehr dem Trail entlang.
Die Hütte ist in schlechtem Zustand. Teile des Daches und der Wände fehlen, die Planken des Bodens sind zum größten Teil verrottet, Fenster und Türen fehlen, überall tropft Wasser durchs morsche, löchrige Holz.
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Entlang einer Wand finden wir eine etwas besser erhaltenere, trockenere Stelle von etwa einem Quadratmeter. Wir sammeln ein paar lose Planken und legen Sie nebeneinander, so daß wir unsere Rucksäcke halbwegs trocken abstellen können. Boston Bones sammelt weitere Bretter und versucht damit die Tür – und Fensteröffnungen abzudichten um den Wind abzuhalten. Ich spanne derweil mein Zelt über unseren Rucksäcken auf, damit das heruntertropfende Regenwasser nicht unser ‚Lager‘ trifft.
Boston Bones entfacht in einer alten rostigen Spüle ein Feuer aus den feuchten Holzresten die er finden kann.
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Wenn auch recht verqualmt, wird es doch wärmer. Ich ziehe mir wärmere, wasserdichte Socken über meine eiskalten Füße und packe mich wärmer ein.
Während Boston das Feuer unterhält checke ich GPS und Karten. Wie soll’s weiter gehen?
Hier bleiben, abwarten, eventuell weiterziehen falls es aufklärt? Hier übernachten und morgen weiter?
Vom Pass aus geht es ca. sechs Kilometer leicht abwärts, aber nicht wesentlich. Von da an weitere zwölf Kilometer aufwärts, noch höher hinauf als vorher. Erst danach würde ein deutlicher Abstieg möglich sein.
Wir würden es also heute nicht mehr schaffen tief genug zu kommen. Noch einmal hoch sobald es sich bessert, und einen anderen, schnelleren Weg hinab suchen? Zu unsicher! Sind die angezeigten Wege wirklich vorhanden und passierbar?
In der Hütte wollen wir auch nicht bleiben. Zelt aufschlagen und morgen weiter? Das Wetter wird weiter so schlecht bleiben, mit Regen und v.a. Gewittern!
Ich schlage vor, ganz zurück zu laufen. Zurück ins Tal aus dem wir gekommen sind, und dort versuchen wieder nach Frisco zu trampen, das Wetter im Warmen, Trockenen bei leckerem Essen aussitzen.
Ich muss Boston Bones nicht lange überzeugen. 🙂
Rasch brechen wir unser Notlager ab, löschen das Feuer und laufen los, gut gelaunt, aufgrund der rosigen Aussichten.
Und alles läuft nach Plan. Unten angekommen müssen wir nicht lange warten bis uns ein Wagen mit zum Highway 9 nimmt, von wo aus wir ins Shuttel nach Frisco hüpfen
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und alsbald im Whirlpool die durchfrorenen Knochen wärmen. German und Boston Bones! 🙂
Morgen werden wir dann einen neuen Plan aushecken.

Bis bald….
Eure zufriedene Dr. Hikinstein

2 Kommentare

  1. Ingrid

    Danke für die Fotos! Ich kann gar nicht verstehen, wie Naturfreunde die Natur so „verschandeln“ können.
    Die Schutzhütten müssten auch wieder aufgebaut werden. Dafür fehlen wohl Geld und Handwerker, die sich darum kümmern.
    Eine günstige Wetterfront wünscht euch Ingrid

    • mariaelfe

      Ja, das geht mir auch so. Ich nehme an Colorado ist einfach zu überlaufen. Und dann gibt es eben mehr ‚Ausnahmen von der Regel‘ als üblicherweise. Danke für die lieben Wünsche. Wir werden jetzt versuchen von einer anderen Seite aus den höchsten Berg unserer Tour, Grays Peak, zu besteigen. Bis bald. 🙂

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