9. Tag (on trail) Fr 24.04.2015

Nachts wache ich auf. Schwere Schritte  nähern sich meinem Zelt. Es wird doch nicht mein gestriger Kamerad sein, der seinen Monolog fortsetzen möchte? Vorsichtshalber greife ich zum Pfefferspray um dem bevorstehenden Kontakt  die nötige Würze zu geben. Aber nein, die Schritte kommen nicht näher. Wer oder was auch immer scheint sich nun bei der benachbarten Baumgruppe aufzuhalten. Mir recht! Vermutlich eines der vielen Rinder. Deswegen schäle ich mich nicht aus meinem gemütlichen Schlafsack. Einen Augenblick später fängt es an zu regnen. WASSER! Und das hier. Sollte ich nicht doch kurz raus für eine kurze Dusche? Ach nee, lass mal. Ist so schön warm im Zelt und draußen zu frisch (um die 12 Grad Celsius). Das gleichmäßige Tröpfeln des Regens lullt mich wieder in den Schlaf…
Morgens beim Packen immer noch kleinere Regenschauer und ein wenig Graupel. Ein Käfer hat sich nachts im Zelt verkrochen. Da hat er aber Glück gehabt nicht unter mich geraten zu sein.

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Wolken und Wind begleiten mich den ganzen restlichen Tag. Es ist frisch, so dass ich mir während der Pausen einen Pullover anziehen muss.

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Gegen Mittag wird langsam das Wasser knapp. Die nächste ‚Quelle‘ ist ein nahezu trockener Bach, vielmehr ein sickerndes Rinnsal, und wurde bereits von Rindern ‚angereichert‘. Ich hab‘ zwar einen Filter und mein UV- Steripen dabei, will mir aber nicht die Mühe machen zwischen den Kuhfladen im Trüben zu fischen und hoffe auf die nächste Wasserstelle.

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Glück gehabt, denn kurze Zeit später finde ich ein paar Kanister mit Wasser die ein Hiker-Freund für durstige Langstreckenhiker deponiert hat. Super!
Ab hier geht es nun bergauf, und bergauf,…  und noch weiter bergauf. Ich muss recht häufig stehen bleiben um zu verschnaufen. Bin nicht fit genug, und komme heute nur sehr schleppend voran.

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Oben angekommen werde ich durch eine schöne Aussicht belohnt und mache – schon wieder – Pause. Da fliegt,  hui, meine Mütze vom Wind erfasst auf und davon, gerade als ich mich gemütlich hingesetzt und die Schuhe ausgezogen habe. Ich also barfuß hinter dem Käppchen her… ‚ weh, weh, Windchen, weh Kürtchen – äh, Maria ihr Hütchen, und lasse sie….. ‚. Der ein oder andere kennt ja bestimmt das Märchen ‚Die Gänsemagd‘.  🙂 Jedenfalls, als ich zurück komme ist niemand ‚aufgesatzt‘!  Der Rucksack hockt dick und fett immer noch auf seinem Platz. 
Tja, dann trag ich den faulen Sack eben weiter. Jetzt bergab, und bergab,.. und bergab! Schön ist, dass ich nun im Wald laufe,

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weniger schön, dass sich meine Knie sehr schnell bemerkbar machen.
Schon interessant wie sich die Vegetation und Landschaft nach und nach ändert. Weite Ebenen mit Kakteen und niedrigen dornigen Sträuchern, dann Hügel mit einzelnen kleinen Bäumen und schließlich ‚Berge‘ mit Nadel- und Laubwald. Dazwischen immer wieder ein verirrter Kaktus.
Mein geplantes Laufpensum werde ich heute nicht schaffen. Obwohl ich eine Abkürzung durch den ‚Deadman Canyon‘ nehmen kann bin ich recht müde. Außerdem zu nahe am Highway 90. Noch ca. 6 Kilometer bis dorthin. Und das auf einer recht breiten offensichtlich gut befahrenen Feldstrasse. Das ist mir zu gefährlich. Ich warte bis mich keiner sieht und schlage mich dann neben der Strasse in die Büsche um abseits neugieriger Augen mein Camp aufzuschlagen. Solche Situationen finde ich immer sehr unangenehm. In der Nähe von Städten bzw. größerer Straßen laufen oder sogar campen zu müssen, am Wochenende…
Für morgen muss ich mir noch einen Plan ausdenken, denn der Weg wird über 20 Kilometer nur entlang des Highways nach Silver City führen. D.h. den ganzen Tag laufen und gegen Nachmittag in der Stadt ankommen. Vorräte einkaufen und weiter? Dann weiß ich nicht ob ich schon weit genug aus dem Einzugsbereich der Stadt bin…
Nein, da muss ein anderer Plan her. Ich schau mir das morgen erst mal in Ruhe an und entscheide dann.
Während ich mein Zelt aufstelle streift wenige Meter entfernt eine Rotte Pekaris vorbei. Ich rieche die Truppe bevor ich sie sehe oder höre und ein Schreck fährt mir durch die Glieder, weiß ich doch wie gefährlich diese Biester sein können. Ich mache lautstark auf mich aufmerksam und sofort kommt mir eines der Tiere ein paar Schritte entgegen, bleibt dann stehen, beäugt mich misstrauisch und dreht glücklicherweise ab. Das ganze Szenario begleitet von einer permanenten, dumpfen, brumm-bellenden Kommunikation der Tiere untereinander.
Ich warte eine ganze Weile und rechne mit einer überraschenden Rückkehr der Tiere… doch sie scheinen wirklich weg zu sein…
Gute Nacht!
Eure Maria

Maximaltemperatur 37 Grad Celsius

9 Kommentare

  1. Lucia

    Oh‘ „Trikwasser“ ist bestimmt auch gut, da kriegst’e bestimmt obelixhafte Zauberkräfte.

  2. Lucia

    Ich seh‘ schon ich muß mein Wunschrad für dich optimieren. Nachdem sich der Schmetterling alsbald auf deinem Weg eingefunden hat, wünsche ich dir nun immer genügend sauberes Trikwasser, freundliche Weggefährten und ebene Schlafplätze sowie ausreichend schmackhafte Nahrung. Ach ja und wohlergehen für deine Kniee.

  3. Barbara

    Hallo Maria,
    ich bin zufällig auf deinen Blog gestoßen und habe mich sehr gefreut, dich zu finden. Ich lese seit Jahren schon die AT Berichte. Im Vergleich zu PCT und CDT laufen hier mehr Hiker. Deine Berichte und Fotos sind toll und ich hoffe, das ich diesen Trail so auch etwas kennenlernen werde, danke für deine Mühe! Mutig finde ich, das du als Frau alleine läufst. Habe gerade das Buch „Der große Trip- Wild gelesen. Werde es dieses Jahr auch mal ausprobieren, aber mit kleinen Schritten, in Deutschland und nur wenige Tage. Freue mich auf weitere Berichte und wünsche Dir alles, alles Gute.

    Liebe Grüße aus dem Rothaargebirge
    Barbara

    • mariaelfe

      Hallo Barbara, lass Dich nicht einschüchtern. Wir Frauen sind stark und besonnen, können unsere Fähigkeiten meist besser einschätzen. Klar muss man vorsichtiger sein, wenn man alleine unterwegs ist! Vor allem wenn man nicht in der Wildnis, sondern der Zivilisation unterwegs ist. Aber das trifft ja genauso auf den Alltag zu. Ich wünsche Dir gutes Gelingen und viel Freude.

  4. Franz Burkhard

    Hallo Maria,

    Du bist ja ganz gut unterwegs, wie ich finde. Und das in solch wildem Lande mit reichlich Gepäck und mitunter wenig Wasser – da braucht es noch ein wenig um in Topform zu kommen, ganz klar. Schönen Dank für die vielen sehr informativen Bilder und Informationen. Da kann man schon ein Stück weit mitgehen.

    Weiter guten Weg, Franzl

  5. Ilse

    Da hast Du ja Glück gehabt, Pekaris kenn ich nur aus der Wilhelma, und da steht ,,Vorsicht Tiere sind bissig„.
    Deine Fotos sind wieder richtig schön.
    Die Technik beim bergab gehen wirst Du vermutlich schon kennen. Die Knie nie durchdrücken, kleine Schritte,
    das Ganze muss aussehen, wie wenn man die Hosen voll hätte.
    So, pass auf Dein Hütchen auf und lauf schön weiter.

    • mariaelfe

      Ja, zu der Technik hattest Du mir schon beim PCT geraten. Knie sind eben eine meiner Schwachstellen. Aber ist noch alles im Rahmen!

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